Die 5 häufigsten Fehler bei der Hofübergabe

Die Hofübergabe ist ein umfassender Prozess, in dem nicht nur rechtliche Regelungen umgesetzt, sondern vielmehr tiefgreifende Entscheidungen getroffen werden. Dabei können viele Fehler passieren. Wie Du die schlimmsten Fehler vermeidest, erfährst Du in diesem Artikel.

1. Du nimmst Dir nicht genug Zeit für die Hofnachfolge

Um zu ausgereiften Entscheidungen zu gelangen, braucht es viele Gespräche und ausreichend Zeit. Plane aus diesem Grund mindestens ein Jahr, besser zwei, für die gesamte Hofübergabe ein. Überlege Dir gleich zu Beginn, ob Du den Betrieb wirklich übernehmen möchtest und wie er in Zukunft gestaltet werden soll. Redet in der Familie offen und ehrlich über alle relevanten Themen. Je besser und umfassender alles geregelt ist, desto leichter kannst Du nach der Übergabe durchstarten! Nimm Dir also die Zeit und betrachte es als Investition in Deine Zukunft.

2. Du sprichst mit Deiner Familie nur über Steuern und Altenteil

Entscheidend für eine gelungene Hofübergabe ist, mit wem und über was Du sprichst. So sollten auf jeden Fall ALLE Betroffenen miteinander reden. Geschwister, auf dem Hof lebende Großeltern, Partner und auch Mitarbeiter sollten aktiv in die Verhandlungen zur Hofübergabe eingebunden werden. Ein Fehler wäre es, Personen auszuklammern und dann im Nachhinein einen Streit zu riskieren, weil nicht alle Bedürfnisse berücksichtigt wurden. Auch die Gesprächsthemen wollen sorgfältig gewählt werden. Oft erlebe ich es, dass viel über die rechtlichen Rahmenbedingungen wie Altenteil, mögliche Steuerersparnisse oder den Pflichtteil für die weichenden Erben diskutiert wird. Dabei wird vergessen, dass der Betrieb in erster Linie den Inhabern dienen soll und nicht umgekehrt. Besprecht also am besten zuerst, welche Interessen und Bedürfnisse Ihr habt. Was Ihr Euch vom (Zusammen-) Leben auf dem Hof wünscht und wie Ihr Euren Alltag gestalten wollt. Danach könnt Ihr dann schauen, wie all das in einen rechtlichen Rahmen passt.

 

3. Du fragst keine Steuerberater und Fachmenschen

Meist nimmt jeder Winzer und Landwirt aktiv an genau zwei Hofübergaben teil: Einmal als Übernehmer und einmal als Übergeber. Dazwischen liegen oft 30 Jahre, in denen sich die Bedingungen grundlegend ändern können. Es ist also praktisch unmöglich bei diesem Thema aus den eigenen Erfahrungen zu lernen und von vornherein Fehler zu vermeiden. Zudem ist das Thema Hofübergabe rechtlich, organisatorisch und persönlich äußerst komplex. Aus diesem Grund empfehle ich Dir, schon von Beginn an Experten einzubinden. Dies sind vor Allem der Steuerberater Deines Vertrauens und Ansprechpartner von Verbänden und Beratungsorganisationen. Sie geben Dir die nötigen fachlichen Informationen. Oft ist es auch hilfreich, die Gespräche von einem Moderator oder Mediator begleiten zu lassen. Sie führen dann das Gespräch, achten darauf, dass alle Parteien gehört werden und können bei (aufkeimenden) Konflikten helfen, die Wogen wieder zu glätten.

 

4. Du entwirfst kein neues Betriebskonzept

In den vergangenen 30 Jahren hat es häufig für eine positive Entwicklung ausgereicht, wenn die Betriebe einfach nur gewachsen sind. Heutzutage haben die Betriebe die Nase vorn, welche ein innovatives Betriebskonzept entwickeln und umsetzen. Einfach nur größer zu werden reicht nicht aus, um sich von der Konkurrenz abzuheben. Aus diesem Grund solltest Du Dir im Rahmen der Hofübergabe Gedanken machen, wie der Betrieb in 20 Jahren aussehen soll. Was willst Du anders machen als bisher? Welche Entwicklungen vorantreiben? Was zeichnet Dich und Deinen Betrieb besonders aus? Wenn Du ein Bild von Deinem zukünftigen Betrieb vor Augen hast, dann ist es wichtig, dass alle Beteiligten besprechen, welche Rollen und Aufgaben sie auf diesem Betrieb übernehmen können und möchten. Dabei ist das Leben auf dem Betrieb so vielfältig, dass jeder die Aufgaben finden sollte, die am Besten zu ihm passen. Wenn Du aber schlussendlich den Betrieb übernimmst, dann musst Du Dir auch über eines im Klaren sein: Du hast fast die freie Wahl Deiner Tätigkeiten. Du kannst Dir fast aussuchen, wie Du Deinen Tag gestaltest. Du kannst fast alles delegieren. Nur die Führung des Unternehmens mit allen Konsequenzen wirst Du immer selbst übernehmen müssen. Und der erste Schritt zum Unternehmer ist der Entwurf eines Betriebskonzeptes.

 

5. Du setzt die Absprachen nicht konsequent um

Wenn Du Dir mit Deiner Familie Zeit für umfassende Gespräche nimmst und ein Betriebskonzept erstellst, dann ist es hilfreich die Ergebnisse bei jedem Schritt schriftlich festzuhalten. Nur so kannst Du nach einem Jahr noch wissen, worüber Ihr am Anfang des Prozesses geredet habt und worauf Ihr Euch geeinigt habt.

 

Wenn Ihr Euch schließlich auf einen Rahmen geeinigt habt, könnt Ihr mit Euren Aufzeichnungen zum Notar gehen, um einen Vertrag aufzusetzen. In dieser Phase ist es von großem Vorteil, wenn Ihr schon eine detaillierte Dokumentation habt. So könnt Ihr auch prüfen, ob am Ende auch genau das im Vertrag steht, was Ihr Euch gemeinsam überlegt habt.

 

Zuletzt könnt Ihr anhand Eurer Notizen Euer eigenes Handeln überprüfen: Nach der Hofübergabe fällt vielen Winzern und Landwirten der Rollentausch nicht leicht und die neuen Strukturen müssen erst gefestigt werden. Ein Blick in die Aufzeichnungen kann helfen, die Absprachen einzuhalten und „auf Kurs“ zu bleiben.

 

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