"Lebensmittel" vs "Agrarrohstoffe"

Lebensmittel oder Agrarrohstoffe?
Lebensmittel oder Agrarrohstoffe?

Kürzlich las ich in einem Agrar-Newsletter einen Artikel darüber, dass der von den Lebensmittelerzeugern erzielte Gewinn für "Lebensmittel" gestiegen sei. Wie erfreulich. Dann ging es aber weiter: Das liege unter anderem auch daran, dass die Preise für "Agrarrohstoffe" gesunken seien. Das fand ich dann eher unerfreulich.


Da werden hochwertige, nährstoffreiche und gesunde Produkte zu Agrarrohstoffen abgewertet, nur damit die "Lebensmittelindustrie" sie "veredeln" kann... Da fallen mir folgende Beispiele ein: So genannte "Fruchtjoghurts", in denen pro Becher bis zu zehn Gramm Zucker enthalten sind (Wer tut bitte drei Stücke Zucker in seinen Kaffee??), die "Früchte" muss man in diesen Zubereitungen eher suchen. Stattdessen findet man "natürliche" Aromastoffe. Oder Pommes. Oder Lasagne. Oder Frühstücksflocken jeglicher Art. Das alles kann man zwar essen, vielen schmecken die Produkte auch sehr gut, aber sind sie "Leben spendend" und damit ein echte Lebensmittel? Für mich sind die klaren Sieger da doch die frischen und möglichst wenig verarbeiteten "Agrarrohstoffe". Umso erfreulicher ist da der neue Trend "clean eating" der dazu animiert, sich von möglichst unverarbeiteter Kost zu ernähren. Ganz am Rande hat man ja schonmal gehört, dass dies vielleicht auch gesünder sein soll.

Produkte und Arbeit der Landwirte werden abgewertet

Abgesehen von der Frage was gesund ist und was nicht, finde ich die Einstellung hinter dieser Klassifizierung problematisch. Die gesellschaftliche Abstufung der ursprünglichen Produkte wird einfach so hingenommen. Den Landwirten als Erzeugern dieser Produkte wird vielfach wenig Respekt entgegengebracht. Natürlich darf über Nachhaltigkeit, Umweltschutz und über die Qualität von Agrarprodukten diskutiert werden. Diese Themen gehen uns alle etwas an. Aber ich will es mal so sagen: Ohne Kartoffeln keine Pommes! Und die Kartoffeln kommen eben nicht aus der Fabrik! Vielleicht werden Sie jetzt sagen: "Das ist ja klar, das weiß doch jeder!" An der Handlungsweise der meisten Verbraucher kann ich dieses Wissen leider nicht ablesen.

Was Wir tun können

Nun zum konstruktiven Teil dieses Artikels: Was können die Landwirte und Verbraucher tun, um die Situation zu verbessern?

 

1. In Dialog miteinander treten. Verbraucher können sich über Produkte und Produktion informieren und so eine fundiertere Kaufentscheidung treffen. Landwirte können ihre Produktion transparenter machen: Welche Maßnahmen werden ergriffen, warum ist das nötig? Was würde es kosten, wenn man es anders machen würde?

 

2. Landwirte und Verbraucher können direkt miteinander handeln. Auf Wochenmärkten, durch Abokisten für Gemüse, durch den Zusammenschluss von Landwirten zu Vertriebsgemeinschaften.

 

3. Verbraucher können beschließen, möglichst unverabeitete Lebensmittel zu konsumieren und Landwirte können Ihre Produkte ein Stück weit selbst verarbeiten (z.B. Joghurt und Quark herstellen).

Ich würde mir wünschen, dass landwirtschaftlichen Produkten, den wirklichen "Lebensmitteln" wieder mehr Achtung entgegengebracht wird. Der Gewinn darf nicht nur bei den "Veredlern" hängenbleiben. Denn Lebensmittel wachsen nunmal auf dem Feld und werden von Landwirten erzeugt. Wenn wir dem Respekt zollen und konstruktive Diskussionen über Nachhaltigkeit führen, dann respektieren wir auch unsere eigene Gesundheit und die Umwelt.